Vergessene Arten - Der Moschusochse

Erscheinungsdatum: 05/09/2011

Die Begegnung mit einem Moschusochsen ist ein Erlebnis, dass Sie wohl nie vergessen werden - und obwohl sie äusserst selten sind, so ist diese Begegnung in einigen Gegenden Europas doch noch möglich!
 
Face to face with a musk ox
Face to face with a musk ox

Der Moschusochse (Ovibos moschatus) ist ein mächtiges, uraltes arktisches Säugetier aus der Familie der Hornträger. Trotz der Verwandtschaftsimplikation im Namen des Moschusochsen ist dieser näher mit Ziegen und Schaffen als mit Ochsen verwandt. Sein heissblütiges Verhalten während einigen Jahreszeiten sowie die Tatsache, dass der Moschusochse bis zu 450kg wiegen kann, machen ihn zu einem Zeitgenossen, dem Sie nicht den Rücken zukehren wollen…!

Ihr einzigartiges mehrschichtiges Fell aus Wolle (Deckhaare) reicht bis fast an den Boden und ist äusserst gut an die Lebensbedingungen in arktischen Gebieten angepasst. In Europa leben die Moschusochsen in Herden von 8 bis 30 Tieren. Beide Geschlechter verfügen über lange, gekrümmte Hörner und einen ausgeprägten Verteidigungssinn gegenüber Raubtieren wie Bär oder Wolf (und auch Mensch). Wenn sich die Herde bedroht fühlt, formieren sich die Bullen und Kühe in einem stationären, nach aussen gewandten Kreis oder Halbkreis um die Kälber herum. Die Bullen stellen hier in der Regel die vorderste Front zur Verteidigung gegen Raubtiere, die Kühe und Jungtiere drängen sich dicht dahinter.

Im Sommer ernährt sich der Moschusochse von Gräsern, Weiden, Gehölz, Flechten und Moosen und frisst sich eine Fettreserve für den Winter an. Im Winter reduzieren sie die Futtersuche, um Energie zu sparen. Nahrung wird dann nur aufgenommen, um den Magen funktionsfähig zu erhalten.

 
Musk ox calf
Musk ox calf

Während der letzten Eiszeit war der Moschusochse in Europa relativ weit verbreitet und konnte vor 30‘000 Jahren auch nahe den Mammuts und Wollnashörnern Skandinaviens angetroffen werden.

Das wärmer werdende Klima zwang den Moschusochsen, weiter nördlich zu ziehen, wo er, auch aufgrund flächendeckender Jagd durch den Menschen, schliesslich lokal ausstarb. Einzig in Nordamerika und Grönland überlebte der Moschusochse in grösserer Anzahl, und dort befinden sich auch die letzten natürlichen Bestände seiner Art. Die IUCN klassifiziert den Moschusochsen heute als „nicht gefährdet“.

Während des 20. Jahrhunderts wurde verschiedene Male versucht, den Moschusochsen wieder in Norwegen und Schweden anzusiedeln. 1947 wurden elf Exemplare von Grönland in die Dovre Bergregion in Norwegen transportiert. Die dortige Population umfasst momentan um die 300 Tiere und ist somit immer noch ungesichert. Die Bemühungen zur Wiederansiedlung in Schweden erwiesen sich als weitaus schwieriger, obwohl auch ab und zu einige Tiere aus Norwegen hinzuwandern. Die schwedische Herde erreichte ihren Höchstbestand von 30 Tieren in den 1980er Jahren. Seither geht sie stetig zurück. Mögliche Erklärungen dafür könnten Probleme mit Inzucht sowie die Störung durch den Menschen sein. Möglicherweise gibt es auch einen Zusammenhang mit Futtermangel. Die schwedische Herde der Moschusochsen besteht heute aus noch gerade acht Tieren.
Eine kleine engagierte Gruppe von Menschen bemüht sich unaufhörlich, die Wahrnehmung der Moschusochsen zu fördern und für die Herde eine gesunde Population und eine sichere Zukunft in den schwedischen Bergen zu sichern. Im Juni 2010 wurde zu diesem Zweck die Zuchtanstalt „Myskoxcentrum“ in Tännas, Schweden eröffnet. Nebst Zucht und Forschung soll die Anstalt auch das Wissen um und das Verständnis für die spezielle Situation des Moschusochsen in Skandinavien fördern.

Dieses wunderbare Säugetier aus grauer Vorzeit verdient mehr Aufmerksamkeit in Europa - die Steigerung der Bekanntheit ist essentiell für sein künftiges Überleben.

Lernen Sie mehr über den Moschusochsen und andere vergessene Arten auf der Webseite der Photographers for Conservation (Fotografen für den Naturschutz), welche unter anderem der EOCA zahlreiche wundervolle Fotos von Tieren in freier Natur aus ihrer Webseite zur Verfügung gestellt haben.

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Dr Matthias Hammer, Biosphere Expeditions