Winterausrüstung - Handschuhe, Steigeisen und Eispickel

Wenn es kalt und eisig wird, ist ein wenig Extraausrüstung unbedingt notwendig, bevor Sie sich auf die Reise in die Berge begeben. Folgend finden Sie eine Anleitung zur Verwendung von Handschuhen, Steigeisen und Eispickeln.
 
Full on winter conditions
Full on winter conditions

HANDSCHUHE

Fingerhandschuhe oder Fausthandschuhe: Das Problem mit den Fingern ist, dass sie wie dünne Röhren sind - schwer zu isolieren. Wenn Sie alle Finger gemeinsam in einen Handschuh packen, ist die Wärme zentralisiert und kann weniger schnell entweichen. Fazit ist, dass Fausthandschuhe zwar wärmer sind, jedoch die Bewegungsfreiheit der Hände verringern.

Das heisst, dass grosse und warme Fausthandschuhe zwar grossartig sind, um beispielsweise durch ein Moor zu stapfen - natürlich solange Sie keine Karte auseinander falten müssen - jedoch nicht so clever sind, wenn Sie versuchen müssen, einen Knopf zu binden oder einen Eisschraubenkarabiner zu befestigen, während Ihre Beine vor Angst zittern.

Ein Kompromiss sind Überhandschuhe, die Fausthandschuhe sind und sich rasch ausziehen lassen, um die Finger oder die griffigeren Innenhandschuhe freizubekommen. Sobald Sie die knifflige Aufgabe gelöst haben, ziehen Sie sie einfach wieder an. Aufgabe gelöst.

Schichten: Handschuhe können Sie genau wie Kleider in Schichten tragen. Sie können aber auch einfach eine einzige isolierte Schicht wählen.

Ein Vorteil dabei ist, dass Sie denselben Aussenhandschuh in verschiedenen Situationen tragen können. Zum Beispiel mit einem dünnen Baselayer-Handschuh an milden Tagen, einem dickeren Fleece-Handschuh um eisklettern oder bergsteigen zu gehen, oder einem dicken isolierten Fleece-Handschuh für richtig kalte Tage.

Falls Sie sich hierfür entscheiden sollten, macht es Sinn, wenn Sie die Handschuhe mit einer Schnur an Ihre Jacke oder an die Handgelenke binden, damit Sie sie einfach hängen lassen können, während Sie beispielsweise mit dem Binden eines Knopfes oder Sonstigem beschäftigt sind.

Ein einzelner, isolierter Handschuh, wie etwa ein Ski-Handschuh, kann ebenfalls eine gute Idee sein. Mit genügend Übung können diese bei den meisten kniffligen Aufgaben anbehalten werden und halten somit gleichzeitig Ihre Hände warm. Ein Nachteil dabei ist, dass die meisten dieser Handschuhe eine Ewigkeit brauchen, um zu trocknen. Deshalb ist es sehr praktisch, wenn das Futter rausgenommen werden kann, da die Feuchtigkeit durch die Hülle nur schwer verdunsten kann.

Innenhandschuhe
: Sie funktionieren ein wenig wie ein Schutzschichtensystem, welches vor Feuchtigkeit schützt und isoliert.

Einige können jedoch nur in milderen Verhältnissen verwendet werden. Sollen sie in Verbindung mit Wanderstöcken oder Eispickel verwendet werden, sollte auf eine rutschfeste Oberfläche geachtet werden.

Für technische Arbeit empfiehlt sich eine haftende Silikonoberfläche. Lederhandschuhe sind für die Arbeit mit Seilen in kalten, trockenen Verhältnissen, wie beispielsweise in den Alpen, zu empfehlen, sind jedoch bei feuchten Verhältnissen eher ungeeignet.

Winddichte Stoffe machen die Handschuhe vielseitiger einsetzbar.

Wasserdichtes Futter: Heutzutage verfügen die meisten Winterhandschuhe bereits über wasserdichtes und luftdurchlässiges Futter. In wirklich feuchten Verhältnissen hat man jedoch oft das Gefühl, sie seien undicht. Dies liegt entweder am Schwitzen oder einfach an der Feuchtigkeit. Sie sollten jedoch das Schlimmste für eine Weile draussen halten.

Die Trocknungszeit dauert dafür etwas länger, da die Feuchtigkeit nicht aus dem durchnässten Handschuh entweichen kann. Mann darf dabei nicht vergessen, dass die wasserfesten Innenhandschuhe nicht eingenäht werden können, was bedeutet, dass Sie die Enden der Finger festhalten müssen, wenn Sie die Handschuhe ausziehen, da sich sonst der innere Handschuh nur schwer wieder einsetzen lässt.

Isolierung: Am besten eignet sich herausnehmbares Fleece, da es am einfachsten zu trocknen ist. Auch eine synthetische Isolierung ist möglich, welche sich gut für feuchte Verhältnisse eignet. Erinnern Sie sich daran, dass herausnehmbares Futter immer schneller trocknet, was entscheidend ist, wenn Sie vorhaben, in kalte und feuchte Gebiete zu gehen.

Eine weitere, traditionellere Möglichkeit ist geschrumpfte Wolle. Diese hält unglaublich warm, klebt praktischerweise am Schnee beim Klettern und ist sehr windbeständig, wenn sie mit einer Kruste Eis überdeckt ist. Sehr effektiv!

Worauf Sie zudem achten sollten
: Die Handschuhe müssen gut passen. Einige Handschuhe haben längere Finger, andere haben kürzere. Wichtig ist, dass die Handschuhe guten Halt geben.

In Bezug auf die Passform sind Handschuhe mit bereits gebogenen Fingern und reduzierter Isolation an den Handflächen ideal für einen festen Halt mit Eispickeln und Ähnlichem. Versuchen Sie beim Kauf einen Laufstock oder Eispickel zu halten, um die Haftung zu überprüfen. Die Beschichtung wird mit der Zeit natürlich ein wenig abgenutzt.

Wenn Sie vorhaben, ihre Handschuhe mit einer Schnur zu befestigen, sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Einspannstellen vorhanden sind.

Schliesslich, wenn Sie gerade im Laden sind, können Sie sich ruhig auch überlegen, ein Paar fingerlose Handschuhe zu kaufen. Sie eignen sich sehr gut bei alpenländischen Sommerverhältnissen und ermöglichen Ihnen Fingerspitzen-Geschick, ohne auf Isolation verzichten zu müssen. Sie sehen zwar etwas albern aus, aber funktionieren in den richtigen Situationen fabelhaft! 

STEIGEISEN

Wozu?: Ohne sie werden Sie früher oder später auf hartem Schnee oder Eis landen, was möglicherweise zu Ihrem Tod oder zumindest einem frühen Treffen mit der lokalen Notaufnahme führen dürfte. Eine Beziehung zu einem Paar Steigeisen gibt Ihnen den Weg frei zu einer breiten Vielfalt an Orten, zu denen Sie sonst keinen Zugang hätten. Obwohl sie oft als technische Spielerei abgestempelt werden, sind sie ziemlich einfach zu benützen und sind eine enorme Investition in Ihre Sicherheit.

Anwendung: Kurz gesagt ist es einfacher und sicherer, mit Steigeisen zu wandern als ohne. Sie sollten sie aber nicht unnötig tragen, da es die Effizienz des Gehens um ca. 10 Prozent verringert. Beim Wandern über harten Schnee oder Eis lohnt sich der Aufwand aber allemal. Nur weil Schnee liegt, müssen sie allerdings nicht automatisch die Steigeisen auspacken. In weichem Schnee ist es sinnvoller und effektiver, darauf zu verzichten.

Wann sollte man sie ausziehen?: Wenn Sie einfach und sicher ohne sie gehen können. Unnötiges Tragen auf harter Unterlage führt dazu, dass die Spitzen abstumpfen. Dies macht die Steigeisen kaputt, zudem hinterlässt es unschöne, sichtbare Kratzer auf dem Gestein. Harte Bergschuhsohlen können in erstaunlich hartem Schnee noch Halt haben. Wenn Sie sich unsicher fühlen, benutzen Sie jedoch Steigeisen.

STEIGEISEN-ARTEN
Folgend finden Sie eine Übersicht über die Steigeisen/Bergschuh-Kompatibilität. Berücksichtigen Sie jedoch, dass die untenstehenden Leitlinien, welche vom Bergführer Brian Hall zusammengestellt wurden, lediglich Leitlinien und keine Gesetze sind. Passt ein Schuh auf ein Steigeisen, heisst dies noch nicht, dass diese auch wirklich zusammenpassen. Die meisten Bergschuhe passen über einen kurzen Zeitraum auf die flexiblen Trekking Steigeisen, was noch nicht bedeutet, dass dies auch wirklich eine gute Idee ist. Für den längerfristigen Gebrauch empfiehlt es sich, Bergschuhe zu verwenden, die eigens für die Verwendung mit Steigeisen konstruiert wurden.

Instep Steigeisen - Steigeisen Kategorie - keine. Mini-Steigeisen, in die man einfach reinschlüpfen kann, reichen vielleicht für Mitarbeiter einer Skistation oder Holzfäller aus, jedoch überhaupt nicht für Bergsteiger. Vermeiden Sie diese nahezu nutzlosen Mauerblümchen!

Walking Steigeisen - Steigeisen Kategorie C1: Befestigung: Sie werden normalerweise mit Riemen oder einer Kombination aus Riemen und Nylon-Wiegen befestigt. Offiziell passen diese zu jedem Schuh der Klasse B1 oder höher, aber in Wirklichkeit können die meisten 3-Season-Bergschuhe die flexiblen Steigeisen über kurze Zeit tragen. Einige C1 Steigeisen verfügen über Rumpfspitzen - das sind diejenigen, welche vorne an den Zehen horizontal herausragen - welche sehr hilfreich sein können, wenn Sie Stufen in den Abhang treten.

Gelenkige Steigeisen - Steigeisen Kategorie C2: Befestigung: Entweder wie bei C1 oder eine Kombination aus einer Zehenwiege aus Riemen oder Nylon mit einer Fersenspange. Diese sind für Schuhe mit einer steifen Sohle konzipiert (B2 und höher) und sind eher für den professionellen Gebrauch gedacht als diejenigen der Kategorie C1. Sie sind gelenkig, was bedeutet, dass sie über ein Scharnier verfügen. Zwar kann die Sohle, die sowieso fast vollständig starr ist, nur leicht gebogen werden, jedoch wird dadurch die Belastung verhindert, welche aus einer vollständig starren Sohle resultieren würde.

Steife Klettersteigeisen - Steigeisen Kategorie C3: Befestigung: Normalerweise wird die Vorderseite festgeschnallt und zum Teil verfügen Sie über einen Sicherheitsriemen, welcher aber nichttragend ist. Vollständig starre Klettersteigeisen sind, Sie haben es richtig erraten, zum Klettern gedacht und können nur mit vollständig steifen B3 Boots - entweder die Bergsteigerversion aus Plastik oder die aus Leder - verwendet werden. Die Sohle muss über passende Mulden an der Vorder- und Hinterseite verfügen, um die Bindung unterzubringen.

Passform: Das wichtigste bei den Steigeisen ist, dass sie passen. Verschiedene Steigeisen passen zu verschiedenen Schuhen und das weltbeste Modell ist nutzlos, wenn es nicht auf das Profil Ihrer Schuhsolen passt. Nehmen Sie Ihre Schuhe beim Kauf Ihrer Steigeisen mit und bitten Sie um Beratung. Die Schuhe sollten perfekt auf den Steigeisen sitzen, auch ohne dass Sie sie festmachen. Zwischen Schuhsole und Steigeisen sollten keine grösseren Lücken sein. Wenn Ihnen diejenigen, die Ihnen gefallen, nicht passen, versuchen Sie andere. Einige Bergschuhe sind sehr pingelig, und es ist schwierig, passende Steigeisen zu finden, also seien Sie auf einige anfängliche Fehlgriffe vorbereitet.

Wenn Sie kleinere Füsse haben, versuchen Sie am besten die Steigeisen mit 10 Zacken. Vor allem Frauen dürften mit diesen kleineren Modellen besser bedient sein, da ihre Füsse ganz einfach nicht gross genug sind für diejenigen mit 12 Zacken.

Für grössere Füsse gibt es spezielle Verlängerungsschienen, sollte die Standardversion zu kurz sein.

 
Ice axe weather
Ice axe weather

Steigeisen-Halterung: Nylon-Riemenbindungen lassen sich grundsätzlich schneller befestigen als Step-In Systeme, da nicht erst noch der Schnee aus den Rillen entfernt werden muss. Da sie nicht in die Rille am vorderen Ende des Schuhs platziert werden müssen, funktionieren sie besser mit ausgetretenen Sohlen und laufen weniger Gefahr falsch platziert zu werden.

Step-ins sind ebenfalls sehr gut, weil sie sich sehr schnell anziehen lassen und einem die Hände nicht einfrieren, jedoch muss darauf geachtet werden, dass sie genau befestigt werden. Es sollte deshalb vorher der Schnee mit einem Eispickel entfernt werden, damit sich die Bügel richtig schliessen lassen.

Falls Sie Steigeisen zum festschnallen mit weichen Schuhen tragen, sollten Sie darauf achten, dass die Riemen nicht zu eng sitzen, damit die Blutzirkulationen in den Füssen nicht behindert wird, was unangenehm und auch gefährlich sein kann.

Schliesslich sollte auch immer darauf geachtet werden, dass keine Schnallen oder Schnüre ausserhalb der Schuhe rumhängen, damit Sie sich nicht irgendwo verfangen und stolpern. Zu lange Schnürsenkel können abgeschnitten werde, aber übertreiben Sie es nicht. Die Enden können dann mit dem Bügeleisen verschlossen werden.

Anti-Stoll-Platten: Starre Steigeisen und vor allem diejenigen mit einer „Keksausstechform“ neigen dazu, dass sich nasser Stollschnee an der Unterseite ansammelt und sich zu einem grossen Ball aus festem Schnee formt, der Ihre Zacken schliesslich daran hindert, im Schnee zu halten. Eine Lösung ist, die Unterseite der Steigeisen regelmässig mit dem Schacht des Eispickels abzuklopfen, eine nettere Lösung sind jedoch Anti-Stoll-Platten.

Einige Hersteller haben bereits begonnen, diese sehr hilfreichen Instrumente standardmässig anzubieten. Es handelt sich dabei grundsätzlich um Platten, welche sich zwischen den Zacken der Steigeisen befinden und den Schnee daran hindern, sich anzusammeln. Sie sind vor allem auf Gletschern sehr sinnvoll, wenn der Schnee langsam zu schmelzen beginnt.

Flexiblere Steigeisen sind grundsätzlich weniger anfällig auf Stollenbildung, da sie sich durch die Bewegungen selbst vom Schnee befreien.

Anpassung: Lassen Sie die Steigeisen im Laden anpassen. Werkzeuglose Anpassung ist zwar ganz nett, macht aber wirklich nur Sinn, wenn Sie Ihre Steigeisen regelmässig auf verschiedenen Schuhen tragen. Haben Sie Steigeisen mit Schrauben, sollte auch regelmässig überprüft werden, ob diese festgezogen sind, allenfalls sollten Schraubenmuttern verwendet werden, wenn diese nicht bereits standardmässig vorhanden sind. Wenn Sie mit der richtigen Anpassung der Steigeisen hadern, suchen Sie am besten professionelle Hilfe dafür.

Pflege: Bewahren Sie Ihre Steigeisen geschützt auf und folgen Sie den Anweisungen des Herstellers. Solange Sie nicht in extremen Verhältnissen klettern, müssen die Steigeisen auch nicht rasiermesserscharf sein. Ihr Körpergewicht auf den kleinen Zacken sollte grundsätzlich in den meisten Situationen genügend Halt bieten und Sie würden dadurch lediglich die Zacken frühzeitig abnutzen.

Sie sollten immer ein Erste-Hilfe-Päckchen für Ihre Steigeisen bei sich haben. Ein wenig Draht oder Kabelbinder sollte genügen, um zerbrochene Steigeisen im Notfall zusammenzuhalten, bis Sie wieder vom Berg runter sind.

Anwendung von Steigeisen - Top Tipps

  • Ähnlich wie ein Affe sollten Sie beim Gehen die Beine möglichst weit auseinander halten, um die Chance, dass sich einer der Zacken in Ihren Hosen verfängt und Sie über Ihre eigenen Füsse stolpern, zu minimieren.
  • Versuchen Sie nicht auf den Kanten zu gehen, sondern halten Sie Ihre Füsse flach, damit so viele Zacken wie möglich Kontakt zum Boden haben.
  • Das Gehen auf den Zehenspitzen wird Ihre Waden schnell explodieren lassen. Falls es doch einmal nötig sein sollte, sollte wenigstens ein Fuss immer flach auf dem Boden sein, dies ist einfacher.
  • Wenn Sie auf steilem Eis auf den Zehenspitzen gehen, lassen Sie Ihre Ferse ein klein wenig fallen, damit die zweite Reihe Zacken in Kontakt mit dem Eis kommt, dies ist weniger ermüdend und gibt festeren Halt.
  • In weichem Tiefschnee ist die Bildung von Schneestollen ein Problem. Entfernen Sie den Schnee mit dem Eispickel oder kaufen Sie sich Anti-Stoll-Platten. Alternativ kann auch mit Tape improvisiert werden.
  • Auf gemischten Oberflächen mit Schnee und Steinen sollten Sie nach Vorsprüngen im Gestein Ausschau halten, um Ihren Fuss so zu platzieren, dass Sie maximalen Halt haben. Versuchen Sie es.
Transport: Mittlerweile verfügen viele Rucksäcke über Halterungen für Steigeisen. In Schneesturm-Verhältnissen sind diese jedoch ungeeignet, da sie sich ausserhalb des Rucksacks befinden und sich die Steigeisen dann mit Schnee oder Eis füllen. Sie fühlen sich dann beim anziehen komisch an. Verstauen Sie die Steigeisen deshalb im Rucksack oder verwenden Sie eine verstärkte Steigeisentasche, welche im oder am Rucksack mitgetragen werden kann.


EISPICKEL

Wozu sind sie gut?: Wenn Sie ein Wanderer oder Bergsteiger sind, erfüllt Ihr Eispickel grundsätzlich zwei Aufgaben. Auf der einen Seite sorgt er für Stabilität beim Gehen auf eisigem oder verschneiten Grund, auf der anderen Seite dient er als Bremse, wenn Sie ausrutschen. “Self-Arrest” ist eine Technik, welche man sich entweder von einer erfahrenen Person oder einem Profi beibringen lassen sollte. Auch wenn Sie bereits gewisse Erfahrungen mitbringen, sollten Sie sich nicht einfach auf Ihre Fähigkeiten verlassen. Es handelt sich dabei nämlich um eine Technik, welche viel Übung benötigt, damit beim Fall der Eispickel instinktiv richtig eingesetzt wird.

Eine weitere, weniger verbreitete Möglichkeit ist es, den Eispickel zu gebrauchen, um sich Tritte ins Eis zu schlagen. So ersparen Sie sich das Anziehen der Steigeisen.

Kletterer auf steilerem Gelände verwenden den Eispickel auch als Ersatz für ihre Hände über dem Kopf, sowohl um zu balancieren als auch um sich hochzuziehen. Da sich die Bedürfnisse je nach Verwendung unterscheiden, sind beispielsweise hochmoderne Kletterpickel nicht immer ideal für den normalen Gebrauch in den Bergen, und spezielle Wanderpickel nicht so sicher auf steilem Grund wie ein entsprechender, technischer Pickel.

Verschiedene Arten von Pickeln
Wanderpickel charakterisieren sich durch den nahezu horizontalen Winkel ihres Kopfes. Ursprünglich waren alle Eispickel so konstruiert. Der flache Winkel macht sie ideal für den “Self-Arrest” oder das “Ice-Axe Breaking”. Jedoch eignen sie sich weniger für das Klettern auf steilem Gelände, deshalb sollten Sie sich ein solches Exemplar nur aussuchen, wenn Sie weder auf steilem noch auf schwierigem Gelände unterwegs sind.

Mountaineering Pickel sind irgendwo zwischen den Wanderpickeln und den voll professionellen Kletterpickeln anzusiedeln. Der Kopf ist normalerweise robuster als beim Wanderpickel und ist stärker gebogen. Auf diese Weise eignet er sich besser zum Klettern, der Winkel ist aber immer noch flach genug für den „Self-Arrest“. Einige Pickel erlauben es Ihnen, gemässigte Winter- oder Alpinrouten zu klettern und eignen sich dennoch für den normalen Gebrauch.

Professionelle Kletterpickel sehen sehr hart und männlich aus, sind aber sehr spezielle, technologische Werkzeuge, konstruiert für steiles Eisklettern. Sie verfügen grundsätzlich über einen gebogenen Schaft, um die Finger zu schützen, sowie ein starkes Band und einen sehr stark gebogenen Kopf für maximalen Halt. Ice-Axe Breaking ist mit einem solchen Exemplar möglich. Jedoch eignet es sich nicht besonders gut dafür, da der Pickel aufgrund der starken Beugung zu stark einhakt, anstatt sanft im Schnee zu versinken. Solch professionelle Geräte werden nur für intensives Klettern empfohlen und eignen sich nicht für den allgemeinen Gebrauch.

Wie lang? Es ist stark umstritten, wie lang ein Eispickel zu sein hat. Einige Alpinisten bevorzugen Pickel, welche so lang sind, dass sie als Wanderstock auf flachem Grund benützt werden können. Die Mehrheit spricht sich jedoch für einen kürzeren Pickel aus. Wieso? Erstens schlagen Sie auf steilem Grund den Schaft der Axt zum Schutz über Ihren Kopf ein. Wenn Ihre Axt zu lang ist, geht sie Ihnen bis zu den Schultern, anstatt nur bis zu den Hüften, wie es sein sollte. Zweitens ist beim Self-Arrest ist der Kopf eines kürzeren Pickels nicht so exponiert und hakt nicht gleich ein, wenn Sie fallen.

Grundsätzlich ist ein Pickel, welcher Ihnen bis zu den Knöcheln reicht, wenn Sie ihn mit ausgestrecktem Arm halten, für die meisten Leute richtig. In einem guten Geschäft sollten Sie angemessen beraten werden. Sollten Sie jedoch nach einem Pickel suchen, um wandern zu gehen, sind Sie mit einem Wanderstock wahrscheinlich besser bedient... Kurz genug für steiles Gelände, jedoch lange genug, um die Balance zu halten, ohne sich ducken zu müssen, sollte etwa richtig sein.

Bei Kletterpickeln kommt es auf die Vorlieben an, jedoch sind die meisten Pickel zwischen 45-50 cm lang. Klassische Pickel liegen bei ca. 60 cm, wobei es für Wanderpickel grundsätzlich kein Limit gibt.

Schlaufen oder Nicht?: Kletterer benützen grundsätzlich Schlaufen - am besten Schlaufen aus Nylon, welche am Eispickel festgemacht werden, als Unterstützung, um sich auf steilem Gelände daran hängen zu können. Bei Wanderern sieht es da schon ein wenig komplizierter aus, da man einen Hang normalerweise im Zickzack hochgeht und somit oftmals die Hand wechseln muss, welche den Stock hält. Die eine Hand aus der Schlaufe zu nehmen, um mit der anderen wieder reinzuschlüpfen, kann manchmal sehr knifflig und mühsam sein.

Oftmals wird deshalb davon abgeraten, eine Schlaufe zu verwenden, jedoch ist der Eispickel dann schnell einmal auf einer Schlittenfahrt in die Freiheit, wenn man unachtsam ist... Es gibt auch Eispickel, die eine Schlaufe verwenden, welche am Körper festgemacht wird, was Ihnen erlaubt, ohne Risiko die Hand zu wechseln. Dies ist eine sehr gute Lösung, vor allem wenn Sie eine Affinität dazu haben, Dinge fallen zu lasse...

Komfort: Beim Gehen und beim normalen Gebrauch ist es wichtig, dass der Kopf des Pickels angenehm und sicher in Ihrer Hand sitzt, auch wenn Sie Handschuhe tragen. Einige Pickel haben dafür eine ganz spezielle Form.

Auch beim Klettern und Bergsteigen ist es sehr wichtig, dass der Griff des Pickels gut in der Hand liegt. Rutschfeste Griffe helfen, jedoch müssen Personen mit kleinen Händen bei der Auswahl sehr sorgfältig sein, damit die Effektivität gewährleistet ist und der Griff sich in den Händen nicht dreht.

Gewicht und Belastbarkeit: Praktisch alle Pickel bestehen heutzutage aus einem Metallgriff und einem Stahlkopf, für eine gute Kombination aus Leichtigkeit und Stabilität. Es gibt zwei verschiedene EC Ratings, und zwar 'B' für 'Basic', was hauptsächlich auf Wanderstöcke zutrifft, und 'T' für 'Technical', womit grundsätzlich Kletterpickel gemeint sind. Es geht dabei vor allem um die Stabilität des Schafts und die Eignung für den Gebrauch im Schnee. Für normale Wanderer genügt ein 'B' allemal.

Es gibt auch eine Vielzahl an ultraleichten Pickeln, welche speziell für den Gebrauch auf Skitouren und in grosser Höhe konzipiert wurden. Ihr Kopf besteht grundsätzlich aus Leichtmetall, um Gewicht zu sparen. Sie sind geeignet für generelles Trekking, aufgrund des leichten Kopfes sind sie jedoch nicht dafür geeignet, grösseres Gewicht auf steilen Abhängen zu tragen. Für generelles Bergsteigen sollten Sie deshalb die zusätzlichen Gramm eines Kletterpickels mit Stahlkopf auf sich nehmen.

Pflege: Obwohl Pickel grundsätzlich sehr robust sind, sollten sie nach dem Gebrauch immer abgetrocknet und an einem trockenen Ort aufbewahrt werden. Behandeln Sie ihn wie in der Gebrauchsanleitung beschrieben und achten Sie darauf, dass die Kanten scharf bleiben. Um das Werkzeug und andere Personen zu schützen, sollten Sie zudem immer eine Schutzhülle sowie einen Kopfschutz verwenden.

Sonstiges: Es ist sehr verlockend, mit einem männlich aussehenden technischen Pickel in den Bergen rumzuspazieren, doch wenn Sie nicht wirklich klettern gehen, sollten Sie sich mit einem Wanderpickel oder einem der vielen intermediären Bergpickel zufrieden geben.

Beim Kauf sollten Sie sich grundsätzlich von einem Verkäufer beraten lassen, obwohl diese teilweise altmodische Ideen davon haben, wie lang ein Pickel sein sollte. Wenn Sie einen Wanderstock möchten, dann kaufen Sie einen Wanderstock.

 
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Ich bin hocherfreut darüber, dass unser Projekt gewählt wurde. Ich bedanke mich herzlich dafür und setze mich für das Vorangehen des Projektes ein. Auch wenn es in Madagaskar während den letzten Wochen zu politische Unruhen kam, möchte ich die Expedition diesen Herbst stattfinden sehen.
Evrard Wendenbaum, Naturevolution