Schlafsäcke

Was auch immer Ihnen während des Tages passiert - es gibt doch nichts Schöneres als die Gewissheit, sich am Ende des Tages in einen trockenen und angenehm warmen Schlafsack schmiegen zu können. Der Schlafsack ist deshalb ein entscheidender Teil der Ausrüstung und sollte mit viel Bedacht ausgewählt werden - schlussendlich kann der richtige Schlafsack den Unterschied machen zwischen dem angenehmen Erwachen nach einem erholsamen Schlaf und der üblen Morgenlaune nach einer schrecklichen Nacht mit viel Schüttelfrost und wenig Schlaf.
 
Sleepyhead
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Was Sie wissen sollten:
Temperaturangaben: Als erstes sollten Sie sich fragen, welches wohl die tiefsten Temperaturen sind, welchen Sie auf Ihren Reisen begegnen werden. Sie benötigen einen Schlafsack, der für diese Temperaturen ausgelegt ist - am besten noch einige Grad darunter, nur für den Fall der Fälle.

Früher wurden für Schlafsäcke „Saison“-Wertungen vergeben. Ein Saison 1 Schlafsack eignete sich super für warme Temperaturen, ein Saison 4 Schlafsack war hingegen für viel kältere Temperaturen ausgelegt. Allerdings kann eine „Saison“ in Norwegen völlig andere Konditionen – und demzufolge auch völlig andere Temperaturen - mit sich bringen als zum Beispiel im Vereinigten Königreich. Um hier Klarheit zu schaffen, wurde der EN13537 Standard eingeführt. Dieser verwendet hochtechnologisierte Sensoren, angebracht auf geheizten Puppen, und vermittelt den Konsumenten so ein klares Bild, was ihr Schlafsack in Sachen Temperaturen aushält.

Der neue Standard verwendet für alle Schlafsäcke dieselben Temperaturwertungen:

  • Oberes Limit: Bei dieser Temperatur kann ein Mann ohne Verwenden der Kapuze und mit offenem Reissverschluss im Schlafsack übernachten - ohne übermässig zu schwitzen.
  • Unteres Limit: Wie Sie vielleicht erraten können, handelt es sich hierbei um die untere Temperaturlimite, bei welcher ein Mensch acht Stunden ohne aufzuwachen schlafen kann. An beiden Limiten werden Sie wahrscheinlich nicht so komfortabel schlummern wie zu Hause, aber Sie sollten dennoch einen guten Schlaf haben.
  • Komfortlevel: Bis zu dieser Temperatur sollte eine Frau komfortabel schlafen können.
  • Extremtemperatur: Bei dieser Temperatur wird Ihr Schlafsack zur Überlebenshilfe und verhindert, dass Sie an Unterkühlung sterben. Es ist gleichzeitig die Minimaltemperatur, bei welcher eine Frau für sechs Stunden im Schlafsack überleben kann. Sie werden möglicherweise immer noch an Erfrierungen leiden und höchstwahrscheinlich auch nicht schlafen können. Diese Wertung ist nur für den absolut äussersten Notfall gedacht.
So technisch diese Wertungen auch sein mögen - Sie sollten immer im Hinterkopf behalten, dass wir als Menschen alle verschieden sind. Zusätzlich spielen alle möglichen Faktoren eine Rolle dabei, wie warm (oder kalt) Sie sich in Ihrem Schlafsack bei einer gegebenen Temperatur fühlen. Alter, Geschlecht, Fitness und körperlicher Zustand, Körpergewicht und -bau, wann Sie zum letzten Mal gegessen oder getrunken haben, Stoffwechsel - das sind nur einige der Einflussfaktoren. Verwenden Sie diese Wertungen deshalb als Anhaltspunkt und lassen Sie auch Ihr persönliches Wissen um Ihre Schlafgewohnheiten, und ob sie es eher kühl oder warm mögen, in die Kaufentscheidung einfliessen.

Daunen oder Synthetisch? Es gibt zwei hauptsächliche Füllungen von Schlafsäcken, die Sie kennen sollten: Natürliche (d.h. Gänse- oder Entendaunen) oder synthetische Füllungen. Für beide Arten gibt es Argumente dafür und dagegen. Letztendlich müssen Sie sich entscheiden, welche Füllung für Sie und Ihre Aktivitäten am besten passt.

Daunen schliesst Luft besser ein, der Schlafsack wird also wärmer sein und kann beim Packen kompakter geschnürt werden. Dies führt also zu leichteren Rucksäcken. Daunen eignen sich besser für Winterreisen und Expeditionen, wenn das Gewicht zur Priorität wird. Daunenschlafsäcke sind auch in verschiedenen Ausführungen und Qualitäten erhältlich: Je grösser der Prozentsatz an (Gänse- oder Enten-) Daunen laut Produktdeklaration ist, desto reiner werden die Daunen sein, und desto kleiner wird das Gewicht und Volumen des Schlafsackes sein (aber auch umso teurer!). Der beste erhältliche Mix ist 96/4 (96% Daunen, 4% Federn), aber der 90/10 Mix ist üblicher. Billige Schlafsäcke werden zum Teil mit einem 70/30 Mix gefüllt sein.

Bauschelastizität: Die Bauschelastizität (engl. „Fill Power“) der Daunen liefert Ihnen eine ungefähre Angabe, wie effizient die Daunen die Luft einschliessen können, d.h. wie warm die Daunen Sie halten werden. 750 ist normalerweise die beste Qualität auf dem Markt (je höher die Nummer, desto besser), wobei die meisten Länder leicht unterschiedliche Messmethoden benutzen. Demzufolge finden Sie manchmal in den USA auch Bauschelastizitäten bis zu 800. Das Füllgewicht sagt Ihnen anschliessend, wie viele Daunen sich tatsächlich im Schlafsack befinden - je besser die Daunenqualität, desto weniger Daunen werden Sie benötigen um warm zu bleiben, und desto tiefer kann das Füllgewicht auch ausfallen.

Synthetische Schlafsäcke sind billiger in der Produktion als Daunenschlafsäcke, einfacher bei der Instandhaltung und speichern die Wärme, auch wenn sie nass sind. Dafür sind sie aber auch schwerer und sperriger. Der Technologiefortschritt bringt allerdings auch einige synthetische Stoffe, welche nun als fast so effizient betrachtet werden wie Daunen -zusätzlich wärmen sie auch im nassen Zustand.

Fertigungsart: Die Art und Weise der Schlafsackisolation wird auch einen Einfluss auf die Qualität ihres Schlafs haben. Je besser der Schlafsack gefertigt ist, desto kleiner ist die Wahrscheinlichkeit von Kältebrücken, welche durch herumrutschende Isolationsmaterialen verursacht werden. Daunenschlafsäcke verfügen über ein Kammersystem: Zwischen der Innen- und Aussennaht des Schlafsackes werden Stege eingenäht, welche Kammern bilden und so die Daunen dort fixieren, wo sie auch sein sollen. Trapez- oder Schrägkammern (schindelförmige Lage der Daunenkammern, genau wie bei Dachziegeln) sind die besten Fertigungsarten, aber auch die kompliziertesten. H-Kammern ergeben zwar einen leichten Schlafsack, isolieren aber an einigen Stellen weniger gut und bergen so eine grössere Gefahr für die Bildung von Kältebrücken.

Die Fertigung von synthetischen Schlafsäcken erfolgt etwas unterschiedlich: Die Isolation wird hier mittels einer oder zwei Isolationsschichten erreicht. Diese Schichten sind an der Innen- und Aussenhülle des Schlafsackes befestigt. Beachten Sie hier die Nähte: Falls die Schlafsacknähte durch alle Schichten genäht (oder gesteppt) sind, können sich entlang der Nähte Kältebrücken bilden. Mittels Schrägkammersystem (Ziegelprinzip, genau wie bei Daunen!) kann dies verhindert werden.

 
Sleeping bag heaven!
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Innen- und Aussenhülle: Die für Innen- und Aussenhülle verwendeten Stoffe werden wahrscheinlich aus Nylon gefertigt ein. Nylon ist beständig, atmungsaktiv, trocknet schnell und ist zudem relativ bequem. Die Hülle ist nicht wasserdicht ausgelegt, verfügt aber unter Umständen über eine wasserabweisende Beschichtung. Die Qualität und Haltbarkeit der Aussenhülle wird mit steigenden Schlafsackpreisen ebenfalls steigen. Einige Schlafsäcke verfügen als Innenhülle unter Umständen über ein Baumwoll-Polyester-Mischgewebe. Dieses mag sich zwar angenehmer auf der Haut anfühlen, trocknet aber tendenziell weniger schnell, und fühlt sich ohne regelmässiges Waschen unter Umständen rasch einmal klamm und klebrig an.

Konstruktionsmerkmale: Weitere Kriterien bei der Suche nach Ihrem idealen Schlafsack sollten beispielsweise sein:

  • Form: Die meisten modernen Schlafsäcke folgen der Mumienform. Mumienschlafsäcke bieten im Schulterbereich mehr Platz, und laufen im Fussbereich zusammen. So wird ein Maximum an Wärme im Schlafsack zurückbehalten. Rechteckige Deckenschlafsäcke bieten dem Benutzer in der Nacht zwar mehr Bewegungsfreiraum, sind aber nicht annäherungsweise so thermoeffizient wie Mumienschlafsäcke.
  • Nacken- / Schulterkragen: Schlafsäcke erfüllen ihre Funktion, indem Sie warme Luft nahe am Körper halten. Nacken- oder Schulterkragen verhindern das Austreten der warmen Luft und behalten diese im Schlafsack, nahe am Brustkasten.
  • Kapuze: Haufenweise Wärme wird über den Kopf abgegeben! Eine gute Kapuze eignet sich deshalb hervorragend, um diese Wärme im Schlafsack zu behalten - vor allem wenn es draussen sehr kalt ist. Achten Sie auf eine eng anliegende Kapuze, welche Sie einfach mit einer Hand bedienen können.
  • Seitenreissverschlüsse: Seitenreissverschlüsse sind äussert hilfreich beim Ein- und Aussteigen aus dem Schlafsack, und dienen ausserdem zur Temperaturkontrolle, nachdem Sie es sich im Schlafsack bequem gemacht haben. Der Seitenreissverschluss sollte sich über die ganze Länge des Schlafsackes hinziehen, und von beiden Seiten bedienbar sein. Das ermöglicht es Ihnen beispielsweise, den untersten Teil des Schlafsackes zu öffnen, um Ihre Füsse zu kühlen, und gleichzeitig den restlichen Körper immer noch angenehm warm zu halten! Falls der Reissverschluss nur bis in die Hälfte des Schlafsacks reicht, müssen Sie sich überlegen, wozu Sie den Schlafsack hauptsächlich verwenden werden. Sie mögen mit einem kürzeren Reissverschluss zwar etwas Gewicht einsparen, laufen aber Gefahr, dass der Schlafsack wegen der fehlenden Ventilationsmöglichkeiten im Sommer viel zu heiss ist und deshalb für Sie unbrauchbar wird. Vergewissern Sie sich auch, dass der Reissverschluss entlang der ganzen Länge mit einer guten Reissverschlussabdeckung versehen ist, um so Kältebrücken und Luftzüge zu minimieren. Einige Reissverschlussschieber leuchten zwecks einfacheren Findens im Dunkeln.
  • Innentasche: Ein nützliches Utensil, um ein paar Gebrauchsgegenstände wie Schlüssel, Mobiltelefone und Wertgegenstände aufzubewahren.
  • Kompressionspacksäcke: Die meisten Schlafsäcke werden heute in einem Kompressionspacksack inkl. Riemen für die möglichst kompakte Verstauung im Rucksack geliefert. Beachten Sie aber, dass Sie ihren Schlafsack niemals zusammengedrückt in diesem Sack aufbewahren sollten, da dies auf Dauer die Isolation beschädigt und die Effizienz des Schlafsackes beeinträchtigt. Schlafsäcke sollten für die Langzeitaufbewahrung lose gelagert werden.
  • Einsätze: Durch die Verwendung von separaten Inneneinsätzen kann die Bequemlichkeit und Wärme des Schlafsackes gesteigert werden. Diese „Innenschlafsäcke“ können aus verschiedensten Materialen von Seide bis Fleece sein und tragen ausserdem dazu bei, dass Sie ihren eigentlichen Schlafsack weniger oft waschen müssen! Schlafsack-Einsätze sind auch einfacher zu waschen als ganze Schlafsäcke.
  • Schlafmatten: Weitere Informationen zu Schlafmatten finden Sie im Zeltbereich. Vergessen Sie aber bitte nicht, dass selbst der beste Schlafsack wenig nützt, wenn Sie sich nicht vom kalten Boden unter ihnen isoliert haben. Schlafmatten erledigen dies, und werden Ihnen die Nacht auch sonst viel bequemer machen!
Gewicht und Verpackungsgrösse: Kaufen Sie nicht einfach das leichteste oder das kleinste Produkt. Kalkulieren Sie alle oben aufgeführten Faktoren ebenfalls ein, und entscheiden Sie sich schliesslich für denjenigen Schlafsack, welcher am besten zu Ihnen passt.

Grösse: Vergessen Sie schlussendlich nicht, den Schlafsack im Geschäft auszuprobieren! Dies mag zwar einen peinlichen Moment schaffen, aber es ist immer noch besser ein amüsiertes Lächeln der anderen Kunden auf sich zu ziehen, als anschliessend zahlreiche unkomfortable Nächte mit wenig Schlaf zu verbringen, nur weil der Schlafsack nicht die richtige Länge (oder Breite) für Sie hat. Eng anliegende Schlafsäcke sind am effizientesten. Schlafsäcke speziell für Frauen sind tendenziell kürzer und enger geschnitten.

 
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Ich bin hocherfreut darüber, dass unser Projekt gewählt wurde. Ich bedanke mich herzlich dafür und setze mich für das Vorangehen des Projektes ein. Auch wenn es in Madagaskar während den letzten Wochen zu politische Unruhen kam, möchte ich die Expedition diesen Herbst stattfinden sehen.
Evrard Wendenbaum, Naturevolution